Foto © Tobias Pichler

INNER TONGUE (AT)

Keine Kunst ohne inneren Konflikt: Mit dem scheinbar mühelos hingetupften Pop-Meisterwerk „Favours“ tritt der Songschreiber, Produzent und Musiker Inner Tongue endgültig ins Licht. Vorausgegangen war eine tiefe Identitätskrise.

Wir wissen nicht, wie gut Inner Tongue mit dem Werk von Max Frisch vertraut ist. Ein bekanntes Zitat des Schweizer Schriftstellers passt jedenfalls gut zu der Geschichte, aus der sich die entfesselte Kreativität erklärt, die für „Favours“ freigesetzt wurde. Mit souveräner Selbstverständlichkeit verdichtet Inner Tongue auf seinem triumphalen Albumdebüt Genres wie Post-Dubstep, Softrock, Sophisti-Pop, Neo-Soul, Post-Punk und Trip-Hop zu einer organischen Popsprache, die das ihr zugrundeliegende Referenzsystem souverän inszeniert, aber niemals offensiv ausstellt.

Quasi von einem Tag auf den anderen verlor Inner Tongue 2013 die Kontrolle über seine Stimme. Zunächst schien es keine medizinische Erklärung zu geben, erst nach einer kleinen Ärzte-Odyssee stellte ein Experte die richtige Diagnose: Der Musiker litt an einer äußerst seltenen Stimmstörung. Inner Tongue musste sich einer Operation an den Stimmbändern unterziehen, für welche die Krankenversicherung die Kosten nicht übernimmt. Zwei Jahre lang arbeitete Inner Tongue Tag und Nacht, um das Geld für die OP aufzubringen, die er schließlich privat bezahlte. Trotzdem war die Operation auch jenseits der üblichen Risiken eine heikle Angelegenheit: Als Kind hatte er während eines Routineeingriffs eine gefährliche allergische Schockreaktion erlitten, ob er die Narkose überhaupt vertragen würde, war unklar.

Um zu verstehen, warum Inner Tongue trotzdem alles auf eine Karte setzte und sich der OP unterzog, muss man wissen, welche Rolle Musik in seinem Leben spielt und immer spielte: Schon als Kind hatte Inner Tongue Gitarre gespielt und kannte über die Plattensammlung der Eltern, sein Vater ist ebenfalls Musiker, alle Songs von The Cure auswendig. Er liebte Pink Floyd, begann Keyboard zu spielen und hat über die Jahre vermutlich jedes Instrument mindestens einmal in der Hand gehabt. Später spielte Inner Tongue in mehreren Bands und wusste bereits damals ganz genau, was er wollte und was nicht: „Einmal habe ich einen Produzenten abgelehnt, der schon mit David Bowie und Duran Duran gearbeitet hatte“, sagt Inner Tongue. „Er wollte unseren Sound radiofreundlicher und in Richtung College-Pop gestalten. Daran hatte ich aber kein Interesse. Nun: Die Plattenfirma hat uns danach rausgeschmissen.“

Nicht mehr selbst singen zu können war für diesen Mann jedenfalls keine Option. Und so stand Inner Tongue die bislang größte Krise seines Lebens durch. Geplagt von Unsicherheit und Depressionen, aber immer in der grundsätzlichen Gewissheit, das richtige zu tun. Nach der erfolgreichen Operation durfte er mehrere Monate nicht singen und eine Weile lang auch nicht sprechen. Man muss nicht alle medizinischen Details kennen, um sich vorstellen zu können, was ein solcher Zwischenfall für einen Sänger psychologisch bedeutet: Plötzlich waren da nur noch er und die Dinge in seinem Kopf. Seine Gedanken und Erinnerungen wurden zu stummen Wörtern im Dialog mit sich selbst, er sprach mit einer inneren Zunge: Inner Tongue

Durch innere und äußere Bezüge, die in dieser Form nie zuvor zusammengeführt wurden, gelingt Inner Tongue auf „Favours“ eine gänzlich eigene, hoch faszinierende Musiksprache, die das Gestern mitdenkt, sich im Heute beweg und ins Morgen weist. Ohne die größte Krise seines bisherigen Lebens würde es diese Musik nicht geben.

 

INNER TONGUE | Teeth

INNER TONGUE | 2 Seconds (live)

INNER TONGUE | Next Life

AUTUMN LEAVES 2018
15. bis 17. November 2018
Orpheum Extra, Graz
Beginn: 20 Uhr | Einlass: 19:30 Uhr

– Donnerstag 15.11.2018 –
ENNO BUNGER (solo) (DE)
MYNTH (acoustic set) (AT)
DAVID HOWALD (CH)

– Freitag 16.11.2018 –
DER NINO AUS WIEN (AT)
FORTUNA EHRENFELD (DE)
ALICIA EDELWEISS (AT)

– Samstag, 17.11.2018 –
INNER TONGUE (AT)
MADELINE KENNEY (US)
KINGSWOOD (AU)

Tageskarten | Vorverkauf: 18€ | Abendkassa: 23€
Drei-Tages-Pass | 45€
– exklusive Verkaufsgebühren –

Tickets sind erhältlich im Orpheum, Ticketzentrum bei Ö-Ticket, NTRY, im Zentralkartenbüro und in allen Filialen der Steiermärkischen Sparkasse (Spark7-Ermäßigung)