Es scheint verwirrend zu sein, dass ein Songwriter wie der Stockholmer Simon Stålhamre, der Gentleman hinter Small Feet, sich sehr sehr lange Zeit ließ, oder lassen musste, bevor er seine erste Platte veröffentlichte. Aber erstens kommen Dinge bekanntlich anders und zweitens als man denkt! 

Im Alter von 15 Jahren entschied er sich die Schule zu verlassen. Ausgestattet mit großer Begabung für Musik, doch angezogen von den Verführungen jugendliches Leichtsinns wurde der Fernseher zu seinem Mentor. Englisch lernte er mit Hilfe amerikanischer Shows und dazwischen schrieb er – Musik.

Obwohl sein virtueller Ersatzlehrer ihm irgendwie die Möglichkeit gab Salvador Dali-Landschaften zu synthetisieren und auch die Pointen eines Sprachwissenschaftlers in einer Rede über freien Willen in seine Kompositionen einzubauen, wurden die Bänder seiner Songs erstmal im Schrank seiner Eltern verstaut. Stålhamre war schon in jungen Jahren mit zwei Talenten gesegnet: Sein Talent Sachen zum Verschwinden zu bringen und sein Gespür für Songwriting – was auch immer er in seiner Isolation schuf, blieb verborgen. Doch dies sollte sich ändern als er Jacob Snavely – einen ausgewanderten amerikanischen Musiker – kennenlernte, der Stålhamre dazu bewegte, mehr Energie in seine Songs zu stecken. Dazwischen war Simon Krankenpfleger, Kellner, Plakatierer und hatte Pläne Busfahrer zu werden.

Von Snavely ermutigt, wurde Stålhamres künstlerische Emanzipation durch die Möglichkeit der Nutzung historisch geschützter Hütten aus dem 18. Jahrhundert auf Södermalm, einer Insel im Zentrum von Stockholm, beflügelt. Mit der Hilfe seines Onkels wurde das bescheidene Gebäude in ein Tonstudio für die Band – mit Snavely am Bass und dem Schlagzeuger Christopher Cantillo – verwandelt. Diese “Kvastis” (ein Wortspiel referenzierend auf die einst in den Hütten lebenden Besenmacher) wurde bald sowohl Zuflucht als auch Nährboden für Stålhamres Kreativität. „In den ersten zwei Jahren war ich es einfach nicht wert, hier zu sein“, lacht er, „und zumeist fühlte ich mich schuldig, wenn ich nicht hier war. Es ist so ein brillanter Ort und ich habe nicht das Beste daraus gemacht.” Doch endlich hatte er einen Ort gefunden, an dem er im Gegensatz zu “den dungeons“ (wie er sie nennt) über der Erde musizieren konnte.

Die dort innewohnende Inspiration, gepaart mit Cantillo und Snavelys Hilfe, half Stålhamre endlich jene Energie in sich zu entdecken, die selbst nicht sabotieren konnte. Kein Wunder, dass die Anfangszeilen des Liedes ‚Gold‘ reichlich Ungeduld in sich tragen: “Just split the stone and hand me the gold”. Und es entfaltet sich die Stimme eines Künstlers, der nach Jahren der selbsterwählten Ausgrenzung auf die Schönheiten der Welt und die Entdeckung der eigenen Fähigkeiten gestoßen ist: “When I was a boy we never talked about the dark,” singt er, “and what the dark might bring.” Je länger man in das Album “From Far Enough Away Everything Sounds Like The Ocean” (2015) abtaucht, umso mehr wird einem bewusst, dass das “Dunkle“ nur eine Kulisse für lebhafte Phantasieschübe ist, die nach und nach in die Faszination der Aurora Borealis seiner Heimat getränkt wird. 2019 folgte dann “With Psychic Power” ein Album, das experimentellere Pfade einschlug, jedoch dem Folk-Rock im Grunde treu bleibt und in der Presse als “kleines Wunderwerk” abgefeiert wurde.