10 JAHRE PLATOO

Liebe Freunde von Platoo,

als Burkard Poschinger und ich Anfang 2008 das Platoo-Zepter von Profifußballer und Musiker Jan-Pieter Martens in die Hände gedrückt bekommen haben, hatten wir noch nicht wirklich viel Ahnung wie das so ist - das Konzertveranstalten. Die Basis war jedoch gelegt. Vor allem jedoch hatten wir noch so manche frühe Platoo-Show in Erinnerung, sie uns eine Idee davon gab, in welche Richtung der Karren zu lenken ist. Bands wie ZITA SWOON, TEITUR oder HELGI JÒNSSON faszinierten. Seit unseres "Amtsantritts" sind fünf spannende Jahre vergangen, wir haben viel dazugelernt, dürfen unsere eigenen Sturheiten ausleben und konnten anfängliche Anspannung abschütteln. Und es macht uns schon ein bißchen stolz, dass viele Platoo-Künstler der ersten Stunde ihre frühen Gehversuche bei Platoo gemacht haben: ERNST MOLDEN, CLARA LUZIA, FAVELA GOLD, TROUBLE OVER TOKYO, EFFI, SUSANA SAWOFF, STEFAN WEDAM und viele andere.

WILLI RESETARITS & ERNST MOLDEN im großen Saal des Orpheums im Mai 2013

Am 3. März 2008 gastierten wir zum ersten Mal in der Scherbe. Die Künstler am Premierenabend waren KRAWAULI & WALLY (Cellist Kurt Gaulhofer und The Base Frontman NORBERT WALLY). 99 Shows sollten folgen und das Publikum hielt uns eisern die Treue. Für jeden der bisher 100 Platoo-Montage in der Scherbe verspürte ich Vorfreude, auch wenn dann nicht immer alles toll war. Manchmal greift man halt auch daneben. Nicht jedoch im Frühjahr 2013 - das für mich ein ganz besonderes Erlebnis war. Ich erinnere mich natürlich gut an den 100er und DAWA und das Publikum das sich am Ende nur noch mit Standing Ovations zu helfen wusste. Eine grandiose Band die ganz bestimmt ihren Weg gehen wird. Die spektakuläre Pop-Show von CHRIS WORTH und Bucket Drummer PHIL BONDY, die stille Brillanz von STEPHEN STEINBRINK oder BOBBY LONG, der Witz eines BERNHARD SCHNUR, die Erzählkunst von RAPHAEL SAS oder die schlichtweg bezaubernde CAROLINE KEATING. Sie alle brachten Glanz in den Scherbenkeller. Zudem durften wir zum ersten Mal im großen Saal des Orpheums veranstalten. ERNST MOLDEN faszinierte im Zusammenspiel mit WILLI RESETARITS, einem Sir der guten alten Schule, dessen Charisma nicht nur das Publikum seit Jahrzehnten begeistert, sondern der uns auch im persönlichen Umgang beeindruckte.


BOBBY LONG covert Chelsea Hotel von Leonard Cohen beim Platoo Montag in der Scherbe


Die fesselnde JANNA LEISE und der tolle MARK GEARY im Duett

Natürlich waren auch Wehrmutstropfen dabei. Autumn Leaves 2013 hängt weiterhin in der Warteschleife, weil die Locationkosten bei unserm bisherigen Partner explodiert sind und andere Optionen der Indie-Schiene nur im Vorabendprogramm der diversen Partyschienen oder eben an Wochentagsabenden Einlass gewähren. Schade war auch, dass die deutsch-amerikanische Band FENSTER und die wunderbare ELOUI sich eine gedroschen volle Postgarage verdient hätten, jedoch mit einem sehr kleinen Publikum Vorlieb nehmen mussten. Die britische Band TUNNG begeisterte beim AUTUMN LEAVES 2011 auf allen Ebenen, doch die Zuschauer blieben weitgehend aus. Und tragisch war, als wir im Herbst 2012 erfahren mussten, dass der wunderbare NILS KOPPRUCH - ein Jahr zuvor noch auf der Platoo Bühne - kurz vor seinem 47. Geburtstag völlig unerwartet verstorben ist.

Nils Koppruch bei seinem Platoo Konzert im November 2011

Und dann sind natürlich die persönlichen Eigenheiten, die man im Laufe der Zeit entwickelt und die den Blutdruck in schwindelerregende Höhen treiben können. Das dauernde Nachfragen und Nachschauen ob doch wieder 1, 2, 3 Karten im Vorverkauf weggegangen sind, das Nachrechnen ob eine Veranstaltung im finanziellen Waterloo endet, das obligatorische Verkriechen ins letzte Winkerl der Venue, wenn Minuten vor Beginn der Show noch immer kaum Leute da sind, der Blick auf die verwaisten Auslagenfenster ob die mühsam verteilten Poster noch hängen oder sie schon wieder den Plakatpiraterie zum Opfer gefallen, aber auch die Hoffnung auf eine aufmerksames und respektvolles Publikum.

Die Grazer Newcomerin KLAY beim Platoo Montag in der Scherbe im September 2012

Meine ganz persönlichen Weltereignisse made by Platoo hier aufzulisten würde in Chaos und Unvollständigkeit enden. Einige der kleineren und größeren Schönheiten bzw. Tragödien hab ich schon angeführt. Manches darf ich für mich behalten. Rund 220 Konzerte und knapp 360 Acts später seit der Gründung von Platoo bleibt die Hoffnung, dass die gegenseitige Wertschätzung zwischen Bookern, Agenturen, Künstlern, Venues, anderen Veranstaltern und Publikum auch in Zukunft von Teamgeist und gegenseitigem Respekt geprägt ist. Auf dass wir uns alle in diesem kleinen Indie-Irrgarten weiterhin einigermaßen gut zurechtfinden, uns aber auch manchmal drin verlieren dürfen und auch sollen. Und vor allem, dass aus jeder Nische und hinter jedem Strauch und Busch weiterhin massig großartige Musik herausströmt.

Michael Pelitz
(Platoo)


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