2013-03-11 | MEL

Schon mit ihrer in Eigenregie 2008 veröffentlichten 5-Track-Debüt-EP "Changing" (FreeFall Records) gelang der jungen Salzburger Singer/Songwriterin mel das Kunststück, sofort einen FM4-Hit zu landen. Der gleichnamige Titelsong wurde nicht nur zum Dauerbrenner auf FM4, sondern schaffte es auch mühelos auf die „FM4 Soundselection, Vol. 19“ und brachte der Newcomerin sogar eine Nominierung für den FM4 Amadeus Award ein. Mit ihrem ersten Longplayer "Escape The Cold" (FreeFall Records) verfeinerte mel 2010 ihren elegant an den Westcoast-Sound der späten Sechziger wie frühen Siebziger angelehnten Folk-Pop und erntete mit diesem "reifen Albumdebüt" (Der Standard) prompt hervorragende Kritiken.

Nun meldet sie sich mit "King Street" zurück und zeigt, dass die bisherigen Vorschusslorbeeren zu Recht verteilt wurden. Entstand "Escape The Cold" noch in einer alten, zu einem Homestudio umgebauten Mühle in Salzburg, so wurden die neuen Tracks diesen Sommer im englischen Canterbury in einer alten, an der titelgebenden King Street gelegenen Synagoge aufgenommen. Unterstützt wurde mel dabei erneut von Salzburgs Pop-Hero Numero Uno Stootsie, der auch diesmal dezente, aber immer auch punktgenau gesetzte Akzente an Bass, Electric Guitar, Piano, Organ & Harmonium beisteuert. Mit dabei jedoch auch Seelenverwandte wie Robert Rotifer (Electric Guitar bei "Leave it all behind") sowie der Hornbläser Robert Halcrow, der Tracks wie "Everywhere" und "Slowly sinking" eine zusätzliche spezielle Note verleiht. Hinter den Reglern und dem Schlagzeug saß dabei mit Ian Button (Death In Vegas, The Thrashing Doves) nicht nur ein versierter Producer (der bei den Songs "In my dreams" & "Leave it all behind" auch selber zur Gitarre greift), sondern auch eine der Integrationsfiguren der britischen Antifolk- Szene. Und das passt auch perfekt zu mels akustischem Universum zwischen brüchigem, eher suburbane Nichtorte denn ländlicher Idyllen reflektierenden Folk-Pop im Gewand gebrochener Westcoast- Erinnerungen.

Doch mel geht diesmal einige entscheidende Schritte weiter. Songs wie "Lovers succeed" und "Slowly sinking" entfalten eine epische Breite, die sich zu einem geradezu hypnotischen Sog ausweiten. "No agonies" verführt mit einer grossen pathetischen Pop-Geste, die so nicht mehr oft zu finden ist: Reduziert und intim und dennoch gleichzeitig einen Breitwandsog erzeugend, der einem für immer gefangen nimmt. Wie "King Street" überhaupt durch seinen speziellen Pop-Appeal fasziniert. Scheinbar locker aus dem Handgelenk geschüttelte Popperlen wie "Everywhere" und "Leave it all behind" sind dabei Paradebeispiele für die schwere Kunst scheinbar leichtfüssige aber dennoch fein ziselierte Songs zu schreiben. Auch haben sich bei den eher in Richtung Folk tendierenden Songs die bei mel immer schon durchschimmernden Ambivalenzen dieses Genres noch weiter verschärft. Bei "After you comes another" befindet sich Folk-Pop in einem ähnlichen Zustand wie ein Herz nachdem es gebrochen wurde, "In my dreams" finden wir uns verloren auf einer Landstrasse wieder, die grandiose Folk-Ballade "What's left behind our blue eyes" erinnert an triste Vorstadt-Liebschaften, bei "So easy" ist der Tag nur wegen dem Abend das Aufstehen wert und bei "A lost one" wird Folk als das genaue Gegenteil einer Wohlfühloase beschrieben: als romantischer (wenn auch sinnloser) Abwehr-Impuls gegen eine scheinbar alles verschlingen wollende Melancholie.

Diese Vielschichtigkeiten finden sich nicht zuletzt auch in mels unprätentiöser aber einprägsamen Stimme, die sich fast traumwandlerisch jedoch prägnant durch die einzelnen Songs bewegt. Natürlich schimmern auch diesmal mels Heroen (Neil Young, Joni Mitchell, Nick Drake, Carole King) durch die einzelnen Tracks, jedoch weniger als Songvorlagen, denn als Ideen, die immer noch eine Aktualität besitzen. Wie das geht, zeigt "King Street" mit jedem Ton.

Gemastert wurde die CD übrigens wieder in Keith Blakes Pacific Mastering Studios zu Los Angeles, wo u.a. auch schon Werken von Acts wie Crosby, Stills, Nash & Young, Joni Mitchell, Alanis Morissette, Van Dyke Parks, Brian Wilson und Neil Young der letzte Schliff verpasst wurde.

11.03.2013
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