2014-11-21 | Autumn Leaves 2014 – Tag 3



Viech [a]


                  VIECH sind Paul Plut und Andreas Klinger, machen sehr eigenständigen Elektropop in Lederhosen, bieten auf ihrer Homepage ihre Papiersackerl-EP zum gratis-Download an, singen von Riesenkraken, Kringelschwänzchen und Thrombosen im Herzen und sind mit Sicherheit eine der großen Neuentdeckungen der Grazer Musikszene. Seit der Veröffentlichung ihres ersten Longplayers „VIECH“ Mitte letzten Jahres, sind die beiden Vollblutmusiker auch in der österreichischen Indieszene voll eingeschlagen. Eine Genrezuweisung fällt schwer - allein schon das macht Mut. VIECH vereinen melodiöse sowie brachial-schwermetallische Gesangslinien, mutig-agressive Texte, eingängige Gitarrenriffs und elektronische Elemente die etwa an Postal Service erinnern. In "Wer isst schon gerne allein" heißt es: "Du bist Frech wie Rotz und heute liebe ich dich" - die beste und treffendste Beschreibung für eine der größten Bereicherungen der deutschsprachigen Indiekultur unseres Landes.



 

Dawa [a]
 
               
 
Mit großer Spannung wurde ihr Debüt-Album „This Should Work“ erwartet: Eine Gitarre, ein Cello, ein Cajón und zwei außergewöhnliche Stimmen reichen aus, um klarzumachen, dass da etwas Großes, Neues in Wien entstanden ist. Entspannt und zugleich konzentriert, mit Leidenschaft und einer spürbaren, ursprünglichen Wut, mit Nachdenklichkeit und gesundem Optimismus, haben die vier MusikerInnen ein grandioses Album und mit "Relief" und "Roll the Dice" zwei eindrucksvolle Singles vorgelegt. Dawa haben sich durch ihre unkonventionellen (großteils ausverkauften) Konzerte im Wiener Chelsea, B72, dem altehrwürdigen Radiokulturhaus, im Vorprogramm von Milow und The Cranberries und auf Liebhaber-Festivals, wie dem Seewiesenfest und dem Acoustic Lakeside, mehr als nur den Ruf eines Geheimtipps erspielt. Die wohnzimmerähnliche Atmosphäre, die sie immer wieder schaffen - ob sie nun vor 10 oder 1000 Leuten spielen - sowie die immer wieder stattfindenden Outdoor-Konzerte auf diversen Plätzen, oder auch mal zu Fuß durch die Stadt ziehend, haben eine beachtliche Fangemeinde wachsen lassen. Die soulige Stimme John Dawas, die auf einzigartige Weise mit Barbara Wiesingers berührendem Gesang harmoniert, im Einklang mit dem impulsiven Cello-Spiel Laura Pudeleks und den lebendigen Rhythmen Norbert Krölls, lassen sich in einem Satz zusammenfassen: Es gibt vieles, aber nichts das schon DAWA.

 

 


Low Roar [usa][isl]

                  Ryan Karazija hat nach seinem Umzug aus dem sonnigen Kalifornien seine Inspiration in Reykjavik, Island gefunden. Aus musikalischem Feinsinn und der Weite und Aura des Islandes ist ein Klangbild erwachsen, die der Indie-Rock-Blog Pigeons & Planes als “wonderfully evocative music” und Acid Stag als “die isländische Version von Grizzly Bear” beschriebt. 2011 erschien das selbstbetitelte Erstlingswerk, gemischt und aufgenommen vom Grammy Gewinner Andrew Scheps (Red Hot Chili Peppers, Adele). Vor der groß angelegten Europatournee, die sie auch zum Iceland Airwaves Festival führte, rekrutierte Karazija den isländischen Schlagzeuger Logi Guðmundsson. Schließlich stieß Leifur Björnsson als Keyboarder zur Band und "0" entstand, das Heimo Mürzl in der Wiener Zeitung als "bestechendes Album" bezeichnet, "das aus einem raffinierten Wechselspiel von Reduktion und Energieschüben emotional dichte Popmusik generiert". Selbiges wurde ebenfalls von Andrew Scheps produziert, diesmal in Zusammenarbeit mit Mike Lindsay, der als Frontman der Band Tunng selbst einen unvergesslichen Auftritt im Rahmen von Autumn Leaves 2011 hinlegte. Die Musik von Low Roar klingt zeitlos und traumgleich. Sie drückt die Einsamkeit des Lebens in einem neuen, kühlen, menschenarmen Mikrokosmos aus, im diametralen Gegenteil zum heimatlichen Oakland. Es sind Folk-Hymnen die direkt übers Ohr ins Herz gelangen. Es ist nicht die Wortakrobatik die besticht, die Konzentration wandert in die präzisen Klangsphären ihrer Musik. So denkt man unweigerlich an Sigur Rós, Helgi Jónsson oder die eher bedächtigeren Einwürfe von Radiohead und fühlt sich äußerst gut aufgehoben.


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