BERNHARD EDER

Bernhard Eder veröffentlicht Anfang 2011 sein drittes Album To Disappear Doesn’t Mean To Run Away Der Berliner Journalist Dirk Hartmann hat sich vorab durch die neuen Lieder gehört.

Eigentlich hat der Wiener Singer-Songwriter Bernhard Eder Vergleiche mit Genre-Größen wie Nick Drake, Elliott Smith oder José Gonzáles längst nicht mehr nötig. Denn durch seine unter anderem von Musikexpress, Intro und Rote Raupe hoch- gelobten Vorgängeralben The Livingroom Sessions und Tales From The Eastside ist es dem musikalischen Multitalent bereits gelungen, sich in der unüberschaubaren Musiklandschaft nachhaltig zu etablieren. Und doch passen diese Vergleiche zur melancholisch-zerbrechlichen Musik des viel gebuchten Künstlers – und auch wieder nicht: weil Bernhard Eder mit seinen Songs einen eigenen Kosmos kreiert, der über die Zitierten weit hinausreicht. Genau diese kreative Polyvalenz spiegelt sich auch auf To Disappear Doesn’t Mean To Run Away perfekt wider, das auf eine lange Entstehungsgeschichte zurückblickt:

„...Knapp 2 Jahre sind nun vergangen, seit den ersten Aufnahmesessions am Bauernhof meiner Mutter im Januar 2009. Mehr als zwei Wochen habe ich mich im tiefsten Winter in mein ehemaliges Jugendzimmer eingeschlossen – mit einem Dutzend Songs im Kopf und einem Raum voller Instrumente...“

Die Vielfalt an Instrumenten veranschaulicht die Entwicklung Eders vortrefflich. Plötzlich erklingt eine Trompete (Unexpected), erheben sich große Streicherarrangements (Lost and Found), erstrahlt eine Slide-Guitar (Until The End) oder es drängelt sich eine Ukulele heran, die sich mit Jingle-Jangle-Gitarrren duelliert (In A Foreign Land).

Wenn man sich den gefühlvoll instrumentierten und intonierten Stücken bewusst widmet, rufen sie aufsehenerregende Assoziationen hervor. Arcade Fire nämlich spielen in Good To Be vor dem geistigen Auge unmittelbar auf, während With My Head In Hand beweist, dass eingängiges Pfeifen nicht nur Popmusikern wie The Drums oder Peter Bjorn and John gelingt, sondern auch im Folk geht.

Genügend Künstler stagnieren in ihrer Entwicklung. Nicht so Bernhard Eder. Er hat mit dem selbst produzierten To Disappear Doesn’t Mean To Run Away eine Platte aufgenommen, die unverkennbar seinen Trademarksound in sich trägt. Aber dies geschieht auf eine vielschichtige, umfassende und eklektische Art und Weise, die in dieser Form neu für Eder ist und tiefgehend berührt. Wer offensichtliche Hits und Großtaten wie Unexpected, Sad Ballad Man, Good To Be oder Lisbon hört, weiß was gemeint ist.

Wie oft werden die folgenden Worte zur Veröffentlichung eines neuen Albums bemüht. Was aber oft nur als hohle Phrase verpufft, trifft auf Bernhard Eder unwiderruflich zu: Der „zurzeit vielleicht beste deutschsprachige, aber englisch singende Songwriter“ (Soundmag) hat sein bisher vielseitigstes und gleichzeitig bestes Werk aufgenommen. Noch 2008 schrieb die Intro zu Tales From The Eastside: „Noch ist Eder ein kleines Stück davon entfernt, ein neuer Popstar des Folk zu werden, doch scheint ein solches Ziel greifbar nah.“ Möge es mit „To Disappear...“ gelingen!“


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